Wie alles begann

Interview mit Gründerin Melanie Schaum-Durmaz, geführt von Shane O`Halloran für seinen Blog Fiction Kitchen Berlin:

Kannst du uns ein wenig mehr über dich und die Schule erzählen?

Hi, ich bin Melanie. Die Liebe zur Literatur kann ich getrost als die längste Liebe meines Lebens bezeichnen. Schon als 10-jähriges Mädchen gab es nichts Schöneres, als zu lesen und in meiner Fantasie in immer neue Welten aufzubrechen. Als Teenager habe ich neben der Schule angefangen, in einer Buchhandlung zu jobben. Nach meinem Schulabschluss habe ich eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht und einige Jahre in dem Beruf gearbeitet, bevor ich in den Vertrieb von Deutschlands führendem Buchgroßhändler (KNV) gewechselt bin. Seit 2015 arbeite ich als freier Literaturscout für die Filmbranche, u. a. für Studiocanal Deutschland. Ich scoute den deutschsprachigen Markt nach verfilmbaren Stoffen und gebe eine erste dramaturgische Einschätzung ab. In diesem Jahr habe ich zudem das Autorenloft gegründet, welches Wochenend-Seminare für kreatives Schreiben anbietet. Unsere Referenten*innen sind erfolgreiche Autoren*innen die bei namhaften Verlagen veröffentlicht haben.

Das Autorenloft klingt nach einer faszinierenden Idee! Wie bist du auf die Idee gekommen und was hat dich dazu gebracht, sie weiter zu verfolgen?

Die Idee entstand im Austausch mit einer Bekannten, die selbst schreibt. Uns beiden erschien das Angebot in Berlin für Schreibende als nicht umfangreich genug, vor allem in dem Bereich “Autoren*innen lernen von Autoren*innen ”. Meine Bekannte wollte sich vor allem auf ihr eigenes Schreiben fokussieren, aber ich habe mich, inspiriert von ihren Ideen und unserem Austausch entschieden, die Idee umzusetzen, da ich zu diesem Zeitpunkt bereits Feuer und Flamme für das Thema war. Autoren*innen waren bereits die Helden meiner Kindheit und sind es bis heute geblieben. Ich habe mir daher vorgenommen Menschen, die schreiben so gut wie möglich auf ihrem Weg zu unterstützen.

Ich bin sicher, es war nicht immer einfach die Idee umzusetzen. Welche Hürden/Hindernisse gab es auf dem Weg dorthin?

Nachdem ich alle Voraussetzungen für die Gründung eines solchen Unternehmens geprüft hatte, war klar, in welchen Bereichen ich über ausreichende Kenntnisse verfügte und wo ich Hilfe von außen suchen wollte. Gemeinsam mit dem Businesscoach Jannis Gabrielides habe ich das Vorhaben Autorenloft von allen Seiten kritisch betrachtet, um sicher zu sein, dass ich mit dem Konzept grundsätzlich richtig liege. Danach habe ich mir lange Gedanken über einen Namen und den passenden Ort für die Veranstaltungen gemacht. Mir ist wichtig, den Seminaren einen schönen Rahmen zu geben, dazu gehört für mich auch eine entsprechende Umgebung. Ich war auf ein paar Seminaren, die in ausgesprochen liebloser Umgebung stattgefunden haben und wollte das unbedingt anders machen. Lustigerweise haben sich dann sowohl Name als auch Ort überraschend gefügt. Ich arbeite seit Jahren in einem Coworkingspace in Neukölln. Dieser hat seit letztem Jahr einen weiteren Standort, die MITOSIS Factory. Ein mit viel Liebe zum Detail gestaltetes Loft, mitten im quirligen Neukölln, aber durch die Lage im Hinterhof wunderbar ruhig. Perfekt für unsere Seminare! Die Auswahl des passenden Designers für Logo und Webseite war die nächste Herausforderung. Es gibt sicherlich viele gute Designer*innen in der Stadt, aber man muss jemanden treffen, der einem menschlich angenehm ist und ohne viel Umstände versteht was man möchte. Bei Michalis Kavadias von Layerlove war dieses Gefühl schnell da. Ich mochte seine Bildsprache und er hat schon beim ersten Entwurf sehr genau verstanden was ich will. Ein weiterer Meilenstein war die Auswahl der Autoren*innen und Themen. Tatsächlich habe ich mich bei den Autoren*innen stark von meiner Intuition lenken lassen. Mir gefällt ihre Art zu schreiben, sie haben mich im Gespräch von ihren Fähigkeiten als Referenten*innen überzeugt und ich schätze sie als Menschen.

Warum zum jetzigen Zeitpunkt?

Ich war an einem Punkt in meinem Leben, wo ich keine Lust auf eine weitere Festanstellung hatte. Ich mag es sehr, als Freelancerin zu arbeiten und mit dem umfangreichen Wissen, das ich über viele Berufsjahre in der Buchbranche gesammelt habe, fühlte ich mich einfach reif für diesen Schritt. Ich hatte schon länger eine tiefe Sehnsucht nach mehr inhaltlicher und sinnstiftender Arbeit. Ich liebe den Umgang mit Menschen, was mir sowohl im Kontakt mit den Teilnehmern*innen der Seminare, als auch bei der Akquise der Referenten*innen hilft. Die Vorstellung davon, Menschen in ihrer Kreativität zu unterstützen und daran mitzuwirken, dass sie im Schreiben ihren ganz eigenen Ausdruck finden, erfüllt mich mit großer Freude.  

…und warum in Berlin? 

Ich lebe seit 14 Jahren hier und liebe Berlin insbesondere dafür, dass wir eine große Vielfalt an Menschen haben und sich viele Kreative hier tummeln. Ich fühle mich als Teil dessen und will mit dem Autorenloft gerne eine weitere interessante Anlaufstelle bieten.

Kannst du uns mehr über die angebotenen Workshops erzählen? Was waren deine Beweggründe für die Auswahl dieser Themen und was können die Teilnehmer erwarten?

Die Auswahl der Themen fand in regem Austausch mit den Autoren*innen statt. Mein Ziel war, bei der Gestaltung des Seminarplanes ein möglichst breit gefächertes Angebot zu realisieren. Bei uns sind Anfänger*innen genauso willkommen wie Schreiberfahrene. So gibt es z. B. jeden Monat einen Grundlagenkurs kreatives bzw. autobiographisches Schreiben. Für Fortgeschrittene haben wir eine mehrteilige Romanwerkstatt und bieten spezielle Themen wie z.B. episodisches Schreiben an. Zudem berücksichtigen wir, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben: Manche wollen möglichst technisch und mit einem festen Rahmen an ihre Fragestellungen herangehen, andere möchten sich dem eher spielerisch und intuitiv nähern. Wir möchten Schreiben in möglichst vielen Arten abbilden. So sind zukünftig auch Seminare für “Songwriting” oder “Bloggen” denkbar, denn auch dabei kommt es maßgeblich auf die Qualität des Schreibens an.

Stephen King hat mal gesagt: …it is impossible to make a competent writer out of a bad writer, and (…) it is equally impossible to make a great writer out of a good one.” Du bist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig: stimmst du seiner Aussage zu?

Mir ist auf jeden Fall zu viel “impossible” in der Aussage von Stephen King. Ich glaube fest daran, dass sich jeder verbessern kann, wenn er sich mit seinen Schwächen oder Unsicherheiten auseinandersetzt und daran arbeitet. Das Talent und die Leidenschaft für das Schreiben mögen zwar in kleinerem oder größerem Maße individuell gegeben sein, aber gut schreiben zu können ist eben nicht nur eine Frage des Talentes, sondern setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Wer Lust hat, sich mit seinem Schreiben kritisch auseinanderzusetzen, wird sich garantiert weiterentwickeln.

Momentan bietet das Autorenloft nur deutschsprachige Kurse an.
Gibt es angesichts der Anzahl der Expats in Berlin Hoffnungen, dass wir bald einige Kurse in Englisch sehen werden?

Ja, es sind perspektivisch auch Kurse in Englisch angedacht. Ich wollte mich zunächst auf eine Sprache konzentrieren, um mich nicht zu verzetteln. Außerdem möchte ich mir den Markt für englische Kurse noch etwas genauer ansehen, um den Bedarf besser einschätzen zu können. Hier bin ich auf Austausch mit schreibenden Expats angewiesen und freue mich über Vorschläge für Themen und Referenten.

Gibt es weitere Pläne für die Zukunft?

Wie heißt es so schön: Think big! Wir werden uns mittelfristig nicht nur auf Berlin beschränken, sondern das Angebot auch auf andere Großstädte ausweiten. Zudem streben wir den Status als Bildungseinrichtung an, da wir neben den Wochenendseminaren auch eine Art Ausbildung über 18 Monate mit monatlichen Präsenzterminen für diejenigen anbieten werden, die sich umfassender weiterbilden möchten. Weitere Ideen sind Schreibreisen ins Ausland oder verlängerte Wochenenden auf dem Land.

Nennst du uns einen Punkt von deiner persönlichen Bucket Liste?

Ich war schon immer ein riesiger Fan von Muscle Cars aus den 60er und 70er Jahren, wie dem Ford Mustang oder dem Dodge Charger. Mein Traum ist es, irgendwann mit einem solchen Wagen durch Berlin zu cruisen.

Shane O`Halloran bloggt unter https://fictionkitchen.berlin/ übers Schreiben.
Das vollständige Interview im englischen Original findet ihr unter:
https://fictionkitchen.berlin/2019/09/01/autorenloft-a-new-school-for-creative-writing-in-berlin/